Im gemeinsamen Hobby vereint

Datum: 14.11.2017

Claudia Reißmüller blättert immer wieder gern in den Alben. (Foto: S. Klamann)

Vor genau 40 Jahren haben in Eberswalde zwölf Mädchen erstmals gemeinsam der Rhythmischen Sportgymnastik (RSG) gefrönt. Dass dies möglich wurde und sich viele der damals aktiven Turnerinnen noch heute treffen, ist das Verdienst von Claudia Reißmüller.
Die Gründerin der besonderen Sportgruppe steht nicht gern im Mittelpunkt. Anstatt über sich zu informieren, erzählt die langjährige Übungsleiterin lieber voller Stolz, dass aus den meisten „ihrer Mädels“ etwas wirklich Vorzeigbares geworden ist.  
Es ist eine Geschichte, die sich so, ganz sicher in vielen Vereinen zugetragen haben könnte, die Sven Klamann unlängst für die Märkische Oderzeitung Zeitung (MOZ) aufgeschrieben hat. Claudia Reißmüller (74) hat einen ganzen Stapel an Alben mit schwarz-weiß-Fotos aus der bewegten Geschichte der Gymnastinnen aus Eberswalde aufbewahrt. Sie ist allerdings so gut wie nie auf den Bildern zu sehen. „Eine musste ja fotografieren,“ sagt sie dazu nur.

Als Leipzig rief, fing es an
Die Rhythmische Sportgymnastik-Gruppe wurde 1977 in Eberswalde ins Leben gerufen, um für das bevorstehende Turn- und Sportfest ein Jahr später in Leipzig gerüstet zu sein. Die anfangs zwölf Mädchen gingen alle in die damalige 7. Schule in Westend, an der Claudia Reißmüller unterrichtete. Im Juli kam die Gruppe das erstmals zusammen, um sich mit Seil, Reifen, Ball, Keule und Band zu beschäftigten.
Bis heute geht es noch immer darum, mit den fünf Handgeräten vorgeschriebene Übungen zu absolvieren. „Die Musik dazu ist frei wählbar“, sagt die Übungsleiterin der ersten Stunde, die noch immer von dieser Sportart schwärmt, obwohl sie sich gesundheitlich nicht mehr in der Lage fühlt, sie selbst auszuüben.
Hervorhebenswert seien in erster Linie das hohe Maß an Körperbeherrschung, das Gleichgewichts- und Rhythmusgefühl, die durch die Rhythmische Sportgymnastik gefördert würden. „Heute gehe ich lieber einmal in der Woche zum Schwimmen“. verrät Claudia Reißmüller.

Eine neue Heimstatt
Für die neugegründete RSG-Gruppe ging es bald um mehr. Man wollte an Wettkämpfen teilnehmen. Und so war es für den bald einsetzenden Wettkampfbetrieb praktischer, der Betriebssportgemeinschaft Motor Eberswalde beizutreten. Die stattete die Mädchen mit Geräten und Sportbekleidung aus. Und wenig später haben die Eberswalder Mädchen an Bezirksmeisterschaften, Spartakiaden und DDR-Meisterschaften teilgenommen.
Auch wenn aus ihren Reihen keine Europa- oder Weltmeisterin hervorging und auch Olympiasiegerinnen fehlten, hält ihre Übungsleiterin nach wie vor große Stücke auf sie. „In den Wettbewerben mussten sich die Mädels mit Vertreterinnen aus viel größeren Clubs messen, die täglich trainierten,“ hebt die Lehrerin im Ruhestand hervor.

Auch neben dem Sport erfolgreich
Viele der jungen Gymnastinnen haben nach der Schule eine erfolgreiche berufliche Entwicklung genommen. So beispielswiese die heute vor allem für ihre Papierarbeiten und Installationen weithin bekannte bildende Künstlerin Ina Abuschenko-Matwejewa. Vivien Zippel wurde nach einer beachtenswerten Tanzkarriere Inhaberin eines Tanzsalons. Und ihre Tochter Pia Müller, eine Gynäkologin mit eigener Praxis, trainiert in Hochzeiten bis zu dreimal pro Woche.
Durch die Rhythmische Sportgymnastik haben die Turnerinnen ihre Ausdauer verbessert und seien zur Zielstrebigkeit geführt worden, erläutert Claudia Reißmüller. „Und im fairen Ringen um Medaillen und Platzierungen haben die Mädchen einen gesunden Ehrgeiz entwickelt.“

Den Kontakt nie verloren
Seit dem Jahr 2000 organisiert sie nun die Ehemaligen-Treffen der Turnerinnen; anfangs alle fünf Jahre. „Jetzt verdichtet sich der Takt“, sagt sie. Das geschehe auf Wunsch etlicher Teilnehmerinnen und im Wissen darum, dass die Zeit unerbittlich voranschreite. „Die ersten Mädchen aus der Truppe sind schließlich längst Oma geworden.“
Bedauerlich findet es Claudia  Reißmüller, dass es ihr noch immer nicht gelungen ist, zu allen in der Mitgliederspitze 60 Turnerinnen Kontakt aufzunehmen. Dazu  würden die früher in Eberswalde Aktiven viel zu verstreut wohnen.

Die einstige Übungsleiterin ist sportlich in die zweite Reihe getreten, als sie nach der Wende die Leitung der Berufsschule für Handel und Gewerbe übernommen hatte, an der sie zuvor Wirtschaftsmathematik und Sport unterrichtet hatte. Dennoch gehört „ihren Mädels“ immer noch ihr Herz.                            
(S. Klamann/Besch)