Sport im Koalitionsvertrag

Datum: 09.04.2018

Dr. Alfons Hölzl (Foto: Picture Alliance)

„Neue Dynamik für Deutschland“, so lautet eine der Botschaften des Koalitionsvertrages von CDU, CSU und SPD als Grundlage für die Politik der neuen Bundesregierung. Diese Dynamik erhoffe ich mir besonders bei der Förderung des Sports.
Einige Kernaussagen zum Sport im Koalitionsvertrag stimmen mich zuversichtlich, wie etwa zur Sportförderung allgemein: „Wir wissen um die überragende Bedeutung des Sports gerade für die Integration, die Inklusion und den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Der Sport erhält aufgrund seiner gesellschaftlichen Kraft auch in Zukunft unsere Unterstützung, sowohl im Breiten- wie auch im Leistungssport.“
In Verbindung mit den Worten der Bundeskanzlerin, die Turnen als „Volkssport“ und Turnfeste als „Volksbewegung“ bezeichnete, gehe ich davon aus, dass auch unsere nächsten Turnfeste eine entsprechende Förderung erfahren.

Kritik am E-Sport-Vorhaben

Zur Spitzensportförderung heißt es: „Die beschlossene Reform zur Förderung des Leistungssports werden wir im Dialog mit allen Beteiligten umsetzen und wollen dafür deutlich mehr Mittel bereitstellen.“ An dieser Stelle begrüße ich die Selbstverpflichtung der Bundesregierung zur Erhöhung der finanziellen Förderung. Ich gehe davon aus, dass die neue Leitung des Hauses dieses Thema mit der angekündigten Dynamik angeht.
Wir haben bald Mitte des Jahres und die Sportverbände haben für 2018 aufgrund des unklaren Bundeshaushaltes noch keine finanzielle Planungssicherheit in Bezug auf die Spitzensportförderung.
Kritisch sehe ich diese Formulierung: „(Wir werden) E-Sport künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen und bei der Schaffung einer olympischen Perspektive unterstützen.“ Meines Erachtens ist es nicht tragbar, das milliardenschwere, kommerzielle Business „E-Sport“ mit Gemeinnützigkeit auszustatten und mit Steuergeldern zu fördern.
Die oben zitierte Passage stellt einen Eingriff in die Autonomie des Sports dar: Es ist die Aufgabe des organisierten Sports – nicht der Politik – darüber zu entscheiden, ob „E-Sport“ tatsächlich dem Sportverständnis gerecht wird und in den Verbund des Sports aufgenommen werden soll. Hierzu hat der DOSB eigens eine Arbeitsgruppe installiert.
Angesichts zunehmender Inaktivität unserer (jungen) Bevölkerung und den damit einhergehenden gesundheitlichen Negativfolgen mit immensen Kosten für unser Gesundheitssystem ist es nicht nachvollziehbar, dass die Politik „E-Sport“ mit Sportarten, wie dem Turnen, gleichstellt und künftig mit Steuergeldern fördern will – und dies, obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) parallel prüft, ob Computersucht eine Krankheit ist.
(Dr. Alfons Hölzl)