Musik und Spielmannswesen

In Memoriam Gerhard Müller

01.03.2021 10:39

In Memoriam Gerhard Müller

Gerhard Müller, ein exzellenter Musiker, Wegbegleiter und langjähriger Freund hat uns verlassen. Er ist am 21.02.2021 in Halle (Saale), wenige Monate vor seinem 69. Geburtstag seiner schweren Erkrankung erlegen.

Gerhard wurde am 22.09.1952 in Lutherstadt Eisleben geboren. Seine Eltern verzogen beruflich nach Halle (Saale). Dort besuchte er die Polytechnische Oberschule bis zum Abschluss der 10. Klasse. Danach erlernte er den Beruf eines Elektromonteurs.

1961 wurde auf Initiative des DTSB-Stadtvorstandes Halle an fünf Schulen der Stadt mit dem Aufbau von Nachwuchsspielmannszügen begonnen. Gerhard war mit mehreren Klassenkameraden Feuer und Flamme, ihnen gefiel diese Musik und sie meldeten sich an.

Es wurde ein Stadtspielmannszug gegründet, der insgesamt 150 Kinder umfasste. Leider löste sich dieser Spielmannszug bald auf und es verblieben nur zwei Spielmannszüge aktiv.

Sie wurden 1965 als Sektion in die SG Dynamo Halle aufgenommen. Ihre damaligen Förderer und Übungsleiter, die einen entscheidenden Einfluss auf die persönliche und musikalische Entwicklung von Gerhard hatten, waren Sportlehrer Werner Dlubek und Gerhard Rissel vom Spielmannszug SG Traktor Taucha, der spätere,  langjährige  Vorsitzende der Zentralen Spielleutekommission des DTSB der DDR.

Gerhard war sehr ehrgeizig und lernte fleißig das Flötenspiel und Signalhornblasen. Bald setzte er sich mit seinem Leistungsniveau von seinen gleichaltrigen Freunden ab. Mit 14 Jahren besuchte er bereits mehrere Übungsleiterlehrgänge. Da er das Mindestalter von 16 Jahren noch nicht erreicht hatte, konnte ihm keine Lizenz ausgestellt werden. Dennoch war er in diesen jungen Jahren schon als Übungsleiter aktiv und hatte eigene Übungsgruppen. Es gab auch erste Versuche von ihm, Musiktitel für seinen Spielmannszug zu arrangieren. Dieser Lernprozess, sich als Autodidakt umfassende musikalische Kenntnisse anzueignen, kennzeichnete seinen gesamten weiteren Lebensweg.

Der Spielmannszug SG Dynamo Halle etablierte sich in der Spielleutebewegung des DDR-Sports zu einem der führenden Klangkörper. Er gewann im Nachwuchs- als auch im Erwachsenenbereich mehrfach DDR-Meister und Vizemeistertitel. An diesen Erfolgen hatte Gerhard Müller als künstlerischer Leiter entscheidenden Anteil.

Auf zentraler Ebene war man längst auf den jungen „Senkrechtstarter“ aufmerksam geworden. Als dem Haupttechniker des Sektors Spielleute, Günter Bodenstein, die Leitung des Spielmannszuges des Stabsmusikkorps des Wachregiments der NVA in Berlin übertragen wurde, entschied sich sowohl die Zentrale Spielleutekommission, als auch der zuständige Sektorenleiter im DTSB-Bundesvorstand, Bernd Schenke, für Gerhard Müller als Nachfolger. Als erste zentrale Aufgabe stand für ihn die Vorbereitung und Durchführung der Musikschau der Spielleute des DTSB der DDR zu den X. Weltfestspielen der Jugend 1973 in Berlin, mit 2.500 Musikanten.

Von den Verantwortlichen wurde ihm ein außergewöhnliches Engagement bescheinigt. Er war unermüdlich, besuchte Vereine zur Einstudierung der Musik, leitete in allen zwölf Bezirken Musikproben und diverse Trainingslager. Seine musikalischen und gestalterischen Fähigkeiten flossen in die Planung und Durchführung dieser Großveranstaltung mit ein und führten sie zu einem großen Erfolg.

1974 beendete Gerhard seine hauptamtliche Tätigkeit im Sektor Spielleute und ging nach Halle zurück.

Seine Leidenschaft für die Spielleutemusik führte er in seiner Heimatstadt ununterbrochen fort. Erfolgreich leitete er den Dynamo-Spielmannszug und war im Bezirksfachausschuss Spielleute in der Übungsleiter- Aus- und Weiterbildung aktiv. Darüber hinaus half er vielen Vereinen bei der Einstudierung neuer Titel.

Im Lauf der Jahre entwickelte sich Gerhard zum führenden Arrangeur für Spielmannsmusik in der DDR und nachfolgend auch in den neuen Bundesländern. Er unterstützte die Vereine, insbesondere in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen und stellte ihnen beispielsweise kostenfrei von ihm arrangierte Titel zur Verfügung. Viele Spielmannszüge bestellten bei ihm für regionale und überregionale Wettkämpfe spezielle Kürtitel.

Er ist aktuell der mit Abstand meistgespielte Arrangeur von Spielleutemannsmusik zwischen Kap Arkona und Fichtelberg.

Sein Notenarchiv mit mehr als 180 von ihm arrangierten Titeln übergab er zur weiteren Nutzung und Verwaltung seinem Technischen Komitee Spielleute in Sachsen-Anhalt.

Die Neustruktuierung der Spielleutebewegung nach 1990 in seinem Heimatland Sachsen-Anhalt wurde von ihm entscheidend mit geprägt. Er war mehr als 20 Jahre Landesmusikwart. Aus seiner Feder stammen die Wettkampfordnungen sowohl für die Landesmeisterschaft in Sachsen-Anhalt als auch für die Deutsche Meisterschaft der Sportspielmannszüge. Die Übungsleiterlehrgänge in Sachsen-Anhalt und Sachsen wurden durch seinen Unterricht geprägt. Bei vielen Wettkämpfen war er als Wertungsrichter und Jury-Vorsitzender tätig.

Darüber hinaus leitete er für die ostdeutschen Landesverbände die Arbeitsgruppe Einstufung für Spielmannsmusik.

Gerhard Müller hat sich bleibende Verdienste für die Spielleute in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus in der ehemaligen DDR und in Ostdeutschland erworben. Sein Name ist für uns Verpflichtung für unsere weitere, erfolgreiche Tätigkeit. (Uwe Klein)

Text: U. Klein
Foto: Spielleute Sachsen-Anhalt (spielleute-sachsen-anhalt.de)

Die TurnermusikerInnen des Märkischen Turnerbundes Brandenburg (MTB) und des Berliner Turn- und Freizeitsport-Bundes (BTFB) werden das Andenken an Gerhard Müller in Ehren bewahren.